Dienstag, 20. September 2005

Von Perley Thomas, Peter Witt und "Orange Alert" in den USA

Die Einführung des neuen BS-Blogs kommt mir gerade recht, schnell über meine Kurzreise von Mitte August 2005 durch die USA (mit Abstecher nach Toronto) zu berichten....

Newark (Tag 1)
Mein Flug von Hamburg führte mich nach Newark (danke, endlich wieder eine Direktverbindung). Bereits zuvor hatte ich mich beim Verkehrsbetrieb NJT um eine Fotogenehmigung für den Newark Subway bemüht. Von Freunden aus den USA hatte ich gehört (und auch im Internet darüber gelesen), daß NJT und einige andere Betriebe aufgrund der Terrorgefahr die Rechte von uns Hobbyfotografen einschränken. Einige Emails ausgetauscht und meinen Reisepaß gescannt und schon hatte ich die NJT-Fotogenehmigung per Email zu Hause - ausgedruckt und mitgenommen. Da ich bis zu meinem Weiterflug nach Louisiana abends nur 6 Stunden Zeit hatte, wollte ich auch nur die "neue" Straßenbahn in Newark besuchen (die "alte" habe ich schon mehrfach besucht). Die neue Stadtbahn in Jersey kannte ich auch schon (auch wenn ich die Verlängerung nach Hoboken noch ein anderes Mal nachholen muß). Die neuen Stadtbahnwagen im Newark Subway sind im Vergleich zu den schönen alten PCCs natürlich ziemlich langweilig. Ausgiebig bei 40° an fast allen oberirdischen Stationen fotografiert. Tageskarten gibt es nicht, aber 10er Karten. Niemand wollte meine Fotogenehmigung sehen...

New Orleans
(immer noch am Ankunftstag) Ankunft im Hotel - per Taxi - kurz nach Mitternacht. Zuhause wäre es jetzt bald Zeit zum Aufstehen...

(Tag 2)

Nach einem guten Frühstück in einem benachbarten kleineren Hotel (viel preiswerter) im French Quarter fast ohne Jet-Lag erst einmal ausgiebig die neuen Canal Linien (Canal - Cemeteries) und (French Market - City Park) abgefahren und fotografiert. Tageskarten gibt es jetzt auch beim Fahrer. Zum City Park fahren nur wenige Wagen (ich meine 3 gezählt zu haben) und die Fahrer haben an der dortigen Endstelle 15-20 Minuten Aufenthalt. Zu den Friedhöfen fahren auch mehr Leute, m.E. mehr Einheimische als Touristen. Die neuen "Elmar von Dullen" Cars (benannt nach dem Werkstattleiter, bei meinem letzten Besuch war gerade der erste Wagen fertig und der CKD-Wagen der heute in Strausberg fährt machte noch seine Runden) der Reihe 2000 haben die Zahlbox hinter dem Fahrer. An jeder Haltestelle dreht sich dieser also herum und beobachtet, wie die Fahrgäste mühsam die zerknüllten Eindollarnoten in den Einzugsschacht legen. Nein, sie versuchen es - schaffen tut es fast keiner (zumindest nicht auf Anhieb). Die Geräte sind sehr empfindlich und prüfen die Echtheit der Banknoten. Am besten nimmt man nagelneue Scheine oder gleich Silbergeld. An einigen stark frequentierten Haltestellen scheint das Ein- und Aussteigen (die Einheimischen steigen fast alle vorn aus, obwohl es "verboten ist" und den Fahrgastfluß einfach nur extrem aufhält) mehrere Minuten zu dauern. Manche Einheimische (gewiß auch Touristen aus den USA) kommen mit ihrem dicken Hintern kaum an der Zahlbox vorbei... Am Nachmittag zum neuen Depot an der Canal Street gefahren und Elmar von Dullen besucht, bei meinen früheren Reisen war er noch im Depot Carrollton stationiert. Der Sicherheitsmann am Empfang sieht meine Camera und findet es leider gar nicht lustig. Intensive Telefonate mit der hauseigenen Transportpolizei und Fürsprache durch Elmer erlauben mir dann aber dennoch den Besuch der Wagenhalle/Werkstatt. Alles super modern und wie geleckt (ganz im Gegensatz zu Carrollton). Die neuen Wagen haben Risse an den Drehgestellen und die Ersatzgestelle sind alle schon eingetauscht. Der Hersteller Brookville arbeitet an einer Lösung. Auch die Motoren und Fahrschalter sind nicht frei von Problemen. Die selbstgebauten Wagenkästen sollen aber (so Elmer) "ewig halten". Schade, Elmer will in Rente gehen. Für den Besuch der Remise Carrollton war leider keine Zeit mehr (die habe ich auch beim letzten Besuch intensiv bearbeitet). Er zeigt mir noch Fotos vom neuaufgebauten Sandwagen ATw 29 (der steht in Carrollton).

Am zweiten Tag in N.O. (Tag 3) ganz in Ruhe die Riverfront Line und St. Charles abgefahren und fotografiert. Am Abzweig der Canal Line zum City Park nimmt man einfach den Bus zur Endstelle der St. Charles Line. Ich würde hier eine Straßenbahnverbindung bauen... Die St. Charles Linie ist wie immer sehr voll, viele Touristen aber auch Einheimische. Da diese alten Wagen keine Klimaanlage haben, lehnt man sich einfach aus dem Fenster. Das wirkte genauso erfrischend wie die klimatisierten Wagen auf der Canal. Mit Fotos auf der St. Charles habe ich mich zurückgehalten, bei meinem letzten Besuch hatte ich schon die ganze Strecke abgelaufen...

Die Palmen auf der Canal wurden von Arbeitern mit Stahlseilen "verankert", fast nur Mexikaner! Das der Sturm und das Hochwasser nur 2 Wochen später alles gesehene "auf den Kopf stellen würde" hätte ich natürlich nie gedacht. Abends Flug nach Cincinnati.

Dayton (Tag 4)
Grund meiner Reise war ja die gemeinsame Fahrt nach Toronto mit Freunden aus Cincinnati. Newark und New Orleans habe ich nur so auf dem Weg mitgemacht, wenn man schon mal da ist...

Die Freunde wollen direkt nach Toronto fahren (mit 2 "Vans"). Bereits vorher habe ich aber zwei der Freunde überreden können, eine abweichende Fahrtroute zu nehmen. Ich wollte unbedingt die nächstgelegenen Betriebe und Museen besuchen, die mir noch "fehlen". Der eine Freund wohnt in Dayton, also holen wir ihn morgens dort ab und bleiben 1-2 Stunden in der Stadt und fahren und fotografieren die Trolleybusse. Manche Linien werden nur mit wenigen Fahrten in der HVZ bedient und sind ansonsten "verdieselt". Einen Depotbesuch konnten wir leider nicht arrangieren, obwohl der Freund dort früher gearbeitet hat - die Sicherheitslage (Orange Alert). Während der Rest der Truppe von Cincy über Detroit nach Toronto fahren sind wir jetzt auf dem Weg nach Pennsylvania. Das Straßenbahnmuseum Rockhill Furnace bei Orbisonia hat am nächsten Tag einen "Members Day" und ich hoffe, daß dort einige Wagen fahren, die sonst seltener zu sehen sind. Ein gutes Motel in der Nähe ist ein guter Ausgangspunkt dafür.

Rockhill Furnace (Tag 5)
Dieses Museum wollte ich schon seit Jahren besuchen, aber ohne Auto kommt man dort nicht hin. Ich war überrascht, wie klein es ist. Die meisten Leute, die dorthin fahren sehen sich zuerst oder hauptsächlich die schmalspurige Dampfeisenbahn an, die direkt nebenan abfährt (und in einem Dreieck im Straßenbahnmuseum wendet). Das Museum ist Untermieter der Dampfeisenbahn und das Hauptgleis ist somit dreischienig. Der Wagenpark ist überschaubar, aber fast alle Wagen die zu sehen sind, sind restauriert und fahrbereit. Auf der Hinweg vom Motel hatten wir schon an der neuen Endstelle (nahe Shade Gap) den Tw aus Rio de Janeiro gesehen und fotografiert. Es war wohl die morgendliche Probefahrt. Ein kleines Museum mit wenig (aktiven) Mitgliedern, also war auch der Andrang an diesem Tag eher gering. Ca. 20-25 Mitglieder versammelten sich und weihten den neuen Toilettentrakt ein und feierten auch die Wiederinbetriebnahme
des Tw 172 aus Porto. Für eine Fahrt mit der Dampfeisenbahn war keine Zeit, der Fahrbetrieb mit den Museumsstraßenbahnen war für mich viel interessanter. Als Highlight am späten Nachmittag dann noch eine Fahrt mit dem "Bullet-Tw" der Philadelphia - Norristown Überlandbahn. Er sieht mit Stromabnehmer (2 Stangen) recht seltsam aus, aber ist der einzige der überhaupt noch fährt und er fährt recht schnell. An der äußeren Endstelle mußten wir dann 15 Minuten warten. Das hängt mit der Stromversorgung zusammen, vielmehr mit der Art, wie der Strom bezahlt werden muß (nämlich nach Abnahmemenge mit Tagesspitzenberechnung, die nicht überschritten werden sollten - ich wüßte nicht, wie ich das besser beschreiben sollte). Abends dann Weiterfahrt nach Kanada (über Buffalo). Ankunft in Toronto um 01.30h morgens! Es ist ein ziemlich langer Weg und aus den Bergen in Pennsylvania heraus gibt es kaum Autobahnen (schon gar nicht von Süd nach Nord). Die anderen Freunde, die direkt nach Toronto gefahren waren, haben an diesem Tag das Museum Rockwood besucht - das kenne ich aber bereits zur Genüge...

Toronto (Tag 6)
Heute das Highlight der ganzen Reise. Einer der Freunde aus Cincy hat in Toronto den einzigen Peter Witt-Tw gemietet. Die TTC gibt ihn nur heraus, wenn man zusätzlich einen PCC und einen modernen CLRV-Tw dazu mietet. Scheinbar traut man den Bremsen des Wagens von 1929 nicht so recht. Der PCC fährt vorweg und dient als Aufprallschutz und der CLRV kann dann notfalls die Gleise "freischieben". Es ist also nicht ganz billig. Leider führte die Sonderfahrt morgens gleich in die falsche Richtung. Fotohalte waren aufgrund des Sonnenstands kaum möglich. Bereits vor zwei Jahren hatten wir mit einem der beiden PCC viele der gleichen Linien abgefahren. Meine Lieblingsstrecken (Long Branch, Harbourfront) wurden leider wieder nicht befahren. Auf Long Branch herrschte am Wochenende auch SEV. Im Peter-Witt-Tw fuhren ca. 50 Teilnehmer, im PCC ca. 10-15 und im CRLV meistens niemand. Die Sonderfahrt war für alle Teilnehmer kostenfrei, durch Mund- und Webpropaganda waren auch einige Einheimische da und ich habe noch einige Freunde aus Detroit, Chicago und Scarborough/Ontario beigesteuert. Nach der 4 1/2-stündigen Sonderfahrt, die auch über die Betriebsstrecke zur St. Clair Linie führte konnte einige Hartgesottene (inkl.mir) dann noch mit dem Witt-Tw zurück in die Hauptwerkstatt fahren, wo der Wagen beheimatet ist. Abends haben wir dann noch einige strecken mit dem Van abgefahren und auch noch einige der Ganzreklame-Tw erwischt (leider nicht alle). Ein Tag Toronto ist natürlich viel zu wenig, aber es war mein dritter Besuch und mehr Zeit war nicht.

Niagara Falls & Buffalo & Pittsburgh (Tag 7)
Auf dem Rückweg nach Cincinnati fuhr ich wieder mit den zwei Freunden einen anderen Weg als der Rest der Gruppe. An den Niagara Fällen trafen wir uns kurz wieder, wir haben aber zuvor noch die Long Branch Linien in Toronto abgefahren (umsonst, der nette Straßenbahnfahrer hielt die Hand über die Zahlbox und lud uns ein - wir hatten auch gar kein kanadisches Geld mit, hatten aber am Vorabend noch zwei "Tokens" geschenkt bekommen für diese morgendliche Fahrt = also als Souvenir behalten). Ich hatte den Zwischenstop an den Fällen angeregt, beim letzten Mal sind wir vorbeigefahren. Die ex Londoner Routemaster Busse (mein zweits Hobby) waren natürlich der Grund, nicht die Fälle. Die sind aber direkt nebenan (also die Hauptabfahrtstelle der Busse ist an den Fällen) so habe ich beides gesehen und fotografiert. Dann ein kurzer Mittagsstop in Buffalo. Die Stadtbahn dort ist ja (verkehrt in der Hauptstraße = Fußgängeeinkaufsrzone) oberirdisch kostenfrei und nur im Tunnelabschnitt muß man bezahlen. Zum Fahren blieb keine Zeit (das hatte ich schon au8f einer früheren Reise zusammen mit einem Depotbesuch erledigt), aber einige der Wagen fahren in neuem Farbkleid und somit lohnte sich die Fototour dennoch. Ein Fotoladen um die Ecke verhalf mir schnell noch zu einer neuen Batterie. Am Spätnachmittag dann Ankunft in Pittsburgh. Einen geeigneten kostenfreien Platz für das Auto zu finden war Anfangs recht schwierig, aber in Beechview klappte es direkt neben der Stadtbahnhaltestelle. Ich dachte in San Francisco gibt es steile Hügel, von wegen! Die Stadtbahn von Pittsburgh war für mich natürlich nicht neu, aber die rehabilitierte Overbrook Linie wollte ich doch sehen (leider ja nun ohne PCC-Wagen). Für Fotohalte war leider keine Zeit, die Fahrpreise machen es leider auch fast unmöglich (es gibt keine Tageskarten und abends kostet es aus der Stadt heraus mehr Geld als in die Stadt hinein). Die Linie hat kaum noch Haltestellen (früher hielten die PCC-Wagen hinter jeder Kurve an), ist also schneller als die Beechview Linie (wenn man nach Library oder Washington Junction oder South Hills Village möchte) und hat entsprechend Fahrgäste. Die neuen CAF-Tw sind bereits im Einsatz (40% CAF, 60% nicht modernisierte Siemens, so mein Eindruck). Von den modernisierten Siemens-Tw fehlte dagegen jede Spur. An der South Hills Junction noch schnell den abfahrenden Pendelwagen der Allentown Linie fotografiert, nach seiner Rückkehr aus der Stadt wollten wir noch damit fahren - leider war es die letzte Fahrt (die Linie wird nur sehr selten und nur in der HVZ befahren). Also für den nächsten Tag eine Mitfahrt geplant.

Pittsburgh & Arden (Tag 8)
Ein Motel nahe Pittsburgh ermöglichte uns einen frühen Start um die Allentown Linie zu fotografieren. Anschließend wollten wir dann noch einmal mitfahren. Kaum zu glauben, auch heute morgen wieder den letzten Einsatz fotografiert und schon entschwand der Wagen Richtung Depot. Wie dumm, daß wir nicht schon gestern den Fahrplan genauer studiert haben. Zumindest einige gute Fotos haben wir ja.... An der South Hills Junction dann noch ausgiebig fotografiert. Als wir damit fertig waren, kommt ein Transportpolizeiauto und erklärt uns (nachdem wir gefragt wurden "what are you doing here"), daß man auf PAT-Gelände nicht fotografieren dürfte. Ich hatte ja zuvor nach eine Fotogenehmigung angefragt, aber keine Antwort mehr vor dem Abflug bekommen. Als höflich entschuldigt für unsere Unwissenheit und weggefahren. Der Polizist meinte "I can see you are no terrorist, but..." - ist halt "Orange Alert" in den USA. Cleveland/Ohio, wo ich nach Buffalo eigentlich auch noch kurz einmal wieder hin wollte, hatte mir gleich zurückgemail: No Photos. Super, dann eben nicht.

Mittags Eintreffen im Straßenbahnmuseum Arden. Ein weiterer Freund aus Cincy fährt dort und wir haben uns die neue Ausstellungshalle angesehen. Bei meinen früheren Besuchen stand viel unter Plane abgedeckt in der Gegend herum, nun kann man sich die reichhaltige Sammlung nicht fahrfähiger Wagen zumindest in einer tollen klimatisierten Halle ansehen, es müssen fast 50 Wagen sein und manche Raritäten darunter. Ich wäre ja gern mit dem Brilliner (Philadelphia Red Arrow) gefahren, der wurde erst im letzten Jahr restauriert, aber leider war er wohl kaputt. Also muß das bei einem künftigen Besuch nachgeholt werden.

Spät abends dann noch einige wenige Fotos in Dayton, als wir diesmal zwei Freunde dort abgeliefert haben. Ich wußte gar nicht, daß die Gebrüder Wright vor den Toren der Stadt ihren ersten Flug machten und heute ist dort eine riesige Luftwaffenbasis mit Museum. Und die ehemalige Überlandstraßenbahn fuhr natürlich direkt am Zaun entlang, wir haben uns noch einige Überbleibsel (zumeist Brücken und Wanderwege) angesehen.

Am Tag 9 ging es nachmittags von Cincy nach Newark und dann ohne langen Aufenthalt direkt wieder nach Hause. Insgesamt recht anstrengend die Reise, aber die neuen Sicherheitsbestimmungen bei der Einreise (inkl. Grenzübertritt nach Kanada und zurück) waren überhaupt nicht zu spüren. Lediglich die Sache mit den Fotoverboten oder Fotogenehmigungen sollte man also vorher gut planen. Ich hoffe, im nächsten Jahr lädt man mich wieder ein nach USA!

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