von Mailand bis kurz vor das Höllental
Im letzten Herbst berichtete ich über meinen Besuch bei Freunden in Cincinnati/Ohio. Diese Besuche sind ziemlich regelmäßig: im Frühjahr kommen die Freunde nach Europa (Rundreise per Eisenbahn) und im Herbst machen wir eine kleinere Fahrt in den USA (Rundreise per Auto). Da ich zu meinem USA-Artikel einige Zuschriften bekommen habe, hier nun ein kleiner Reisebericht vom März/April 2006:
Am 14.3. flog ich abends von Hamburg nach Mailand (Malpensa). Ich habe mich am Bahnhof Cadorna verabredet, um mit einigen Freunden aus England und einem BS-Kollegen aus Berlin Essen zu gehen. Am nächsten Tag erfuhr ich aus der kostenlosen Metro-Zeitung, daß es auf der Strecke einen schweren Zusammenstoß (mit Toten und Verletzten) eines der Flughafenexpreßzüge mit einem Lokalzug gegeben hat, ich glaube es passierte kurz nach meiner Fahrt. Die Strecke sollte gem. Zeitung längere Zeit gesperrt bleiben. Den angekündigten Omnibus-SEV für den Rückflug mußte ich nicht nehmen (siehe später).
Ein sehr früher Aufbruch am folgenden Morgen ermöglichte uns eine Mitfahrt mit dem Interurban-Altbauzug, der noch immer wochentags gegen 7.25h von Affori nach Varedo fährt. Die erste U-Bahn fährt für unsere Verhältnisse sehr spät, da ist es mit der Straßenbahn bis Niguarda und dann per Bus schneller (aber ohne großen Zeitdruck) nach Affori zu kommen. Es bleibt immer genügend Zeit die Einfahrt entlang der Schnellstraße vor der Endstation auf Film zu bannen, da an der Endstelle dann umgesetzt werden muß und das Personal meist erst noch einen Kaffee in einer Bar trinken geht, bevor es zurückgeht. Einige meiner Freunde waren zum ersten Mal in Mailand und von der Umsetzaktion und den alten Fahrzeugen natürlich entsprechend begeistert. Sie fuhren mit dem Triebwagen mit, während ich diesmal endlich (und erstmals) einen Beiwagen bestieg. Kurz vor dem Depot Varedo wunderte ich mich dann über den langen Aufenthalt (ich dachte wir würden auf den Gegenzug warten, sah aber kein Ausweichgleis). Auf der parallel führenden Straße hatte sich ein Verkehrsunfall ereignet (drei Autos, 2 davon Totalschaden). Nach 15 Minuten ging es weiter und meine Freunde konnten mir dann berichten, daß unser Zug ein in das Lichtraumprofil etwas hineinragenden PKW erfaßt hat (einer der Freunde ist Straßenbahnfahrer in Croydon und war sich ziemlich sicher, daß es Krachen würde - er hatte durch die geöffnete Fahrertür nach vorn Videoaufnahmen gemacht). Die Wucht des Aufpralls schleuderte den Wagen rückwärts in die Fahrbahn und stieß dort mit einem anderen KFZ zusammen und ein weiterer bislang unbeteiligter Wagen in die Gegenrichtung krachte in diesen. Der Unfallverursachende Wagen sah gar nicht so schlimm aus aber die beiden anderen... Nun, da der Verursacher schnell ausgemacht war (wir hatten ja Vorfahrt) notierten sich das ATM-Personal nur einige Details und den Namen der Straßenkreuzung und fuhr dann weiter ins Depot. In Croydon hätte man die Unfallstelle den ganzen Tag "gesichert" - dort führt jeder Unfall mit Bahnbeteiligung zu einem "Staatsakt" mit "hunderten" von Behörden. Was für ein Glück, daß wir in Italien waren. Am Depot sind wir also in den Regelzug der zur Endstelle weiterfährt umgestiegen und haben am Krankenhaus von Mombello noch einige Fotos gemacht. Den Depotbesuch in Varedo haben wir uns verkniffen, da wir keine Genehmigung der ATM hatten und beim letzten Besuch ohne Genehmigung es ziemlich gedauert hat, bis wir den Depotchef überreden konnten. Ab Affori dann per Bus zurück zur Endstelle der Desio-Überlandtram in Niguarda. Auch für Desio hatten wir keine Genehmigung beantragt (scheinbar ist die auch schwer zu bekommen) und unser Versuch war Erfolglos (letztes Jahr hatten wir dort ebenfalls Glück gehabt). Nun, wir kommen bestimmt wieder und ich kenne beide Depots schon in- und auswendig. Ich wünschte wir hätten mehr Zeit gehabt für Fotos im Straßenverkehr in Desio (dieser soll ja in einigen Jahren durch eine Umgehungsstrecke abgelöst werden), aber für 2007 plane ich eine Sonderfahrt mit einem Altbauwagen und dann klappt es bestimmt auch mit Fotos.
Am Donnerstag wollten wir ursprünglich nach Triest fahren, wußten aber, daß die Tram Opicina gerade modernisiert wird und nicht fuhr. Die Bahnfahrt von Mailand über Venedig hätte uns auch nur wenig Zeit vor Ort gelassen - vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr. Da wir im BS schon lange keinen Netzplan von Turin veröffentlicht haben und mir bei vergangenen Besuchen zahlreiche Änderungen aufgefallen sind (das ist reichlich untertrieben), nutzen wir die Zeit für das Erkunden der Innenstadtgleise und -Weichen. Wie immer gab es wieder überraschenden SEV. Am nördlichen Ende der SL4 sahen wir, daß plötzlich einer der dort stehenden Wagen (wir dachten es war eine Probefahrt oder Fahrschule) sich Richtung Unterführung zur neuesten Endstelle aufmachte (Anmerkung: wurde Ende April eröffnet). Für Fotos war er leider zu schnell und auf seine Rückkehr wollten wir nicht warten, durch das Ablaufen einiger nicht befahrenen Strecken hatten wir ziemlich viel Zeit verloren. Abends dann noch ein schönes Essen in unserem Stammlokal (in diese Kette gehen wir in Mailand auch immer: Breck).
Am Freitag dann war es Zeit für unseren jährlichen Besuch in ATM-Depots (wir haben ja regelrecht Freunde dort in der Verwaltung, da wir schon seit Jahren jedes Jahr hinkommen). Diesmal hatte ich mir das U-Bahndepot Gorgonzola ausgesucht. Wir wurden am Bahnhof dort in einem ATM-Minibus abgeholt, da das Depot doch eine ganze Ecke entfernt liegt. Früher fuhren auf dieser Strecke die Überlandstraßenbahnen, die heute noch nach Desio und Limbiate(Mombello) verkehren und waren auch in diesem Depot beheimatet. Für den U-Bahnbau wurde das Deposito natürlich etwas umgebaut, aber es gibt noch einige Gebäude aus der Ursprungszeit. Vor einem ausgiebigen Mittagessen in der Werkskantine (natürlich mit Gorgonzola und Rotwein) sahen wir uns alles an, die für mich interessanten Arbeitswagen (Loks und unzählige abgestellte ATws/ABws) stehen alle im Freien und das Gelände ist recht groß. Zum Abschluß lud man uns ein mit einem U-Bahnzug selbst bis kurz vor den Bahnhof Gorgonzola zu fahren (das Verbindungsgleis dient auch als Testgleis) - nicht sehr lang aber doch ganz spannend für uns, so pendelten wir vor und zurück bis alle die es wollten selbst gefahren sind. Mit dem ATM-Minibus fuhren wir dann zum Straßenbahn Depot Messina. Ich war schon oft dort, aber da einige meiner Freunde noch nicht in Mailand waren, wollte ich zumindest ein Tramdepot für sie anbieten. Nach einer ausgiebigem Rundgang konnte ich den Depotchef überreden, eine kleine Fahrt (im Depot) mit einem der Zweiachs-ATws für uns zu machen. Ich wollte schon immer mal einen für eine Sonderfahrt mieten, aber die ATM hat es bisher immer abgelehnt (hat wohl versicherungstechnische Gründe), nun bei einer künftigen Sonderfahrt wollen wir zumindest einen dieser Wagen unserem Sonderwagen ohne Passagiere folgen lassen. Die Wagen sind innen aber auch wirklich sehr staubig... Anschließend befuhren wir noch allein einige interessante Strecken. Am Abend dann kamen meine Freunde aus Cincinnati aus Rom an. Nun wuchs unsere Reisegruppe von 6 auf 25 an. Bisher sind die Amerikaner immer mitgekommen zu den ATM-Depotbesuchen, aber da diese nur an Wochentagen stattfinden können, paßte der Flugplan nicht. Unsere Berichte zu dem Tag machten die Amerikaner dann doch sehr neidisch, so daß diese nächstes Jahr extra dafür einen Tag früher rüberkommen.
Am Samstag fuhren wir gemeinsam nach Turin um dort unsere erste Sonderfahrt zu machen. Vor kurzem wurde dort eine Straßenbahnmuseums-Organisation gegründet und der Vorsitzende dieser Vereinigung, der auch einer der Tramchefs der GTT ist, begleitete uns auf der Rundfahrt mit Tw 3501. Erstmals bei einer Sonderfahrt hatten wir eine Stadtführerin dabei, die in Englisch die interessante Stadt vorstellte. Aber wir befuhren ja auch viele Vorortstrecken und da gibt es einfach nicht viel zu sehen... Auch ein Buffet und Wasser war erstmals an Bord (bisher haben wir uns immer selbst verpflegt). Nachdem wir nicht alles befahren konnten, was wir geplant hatten (der SEV vom Donnerstag fuhr noch) ging es auf Alternativstrecken. Ein ausgiebiger Besuch im Depot Venaria und später in der Hauptwerkstatt Tortona rundeten den Besuch ab. Zum Schluß wurden wir noch im Depot der Sassi-Superga-Zahnradbahn herumgeführt. Wir haben neue Freunde gefunden in Turin und kommen nächstes Jahr wieder, dann mieten wir den Peter Witt-Tw (auch der Zweiachser soll dann bereits wieder zur Verfügung stehen, das Verbindungsgleis vom Depot Sassi zum Straßenbahnnetz soll in Kürze wieder eingebaut werden). Nach einem Essen wollten wir eigentlich gemütlich zurück nach Mailand, aber es kam anders. Ganz plötzlich und scheinbar ohne (für mich erkennbaren Grund) sprang meine linke Kniescheibe heraus. Per Ambulanzwagen ging es in ein Krankenhaus. Die vielen großen Steinplatten, die man in Italien oft als Straßenpflaster nimmt, und auch die Straßenbahnschienen machten die Fahr zu einer Höllenqual. Nachdem das "Bein" eingerenkt wurde durfte ich nach einigen Stunden "nach Hause". Die Reisegruppe war inzwischen allein nach Mailand zurück und ich mußte mir ein Hotel in Turin suchen, da ich am Sonntag zu einem "Scan" wiederkommen sollte.
Nun nach einigen weiteren Stunden im Krankenhaus konnte ich stark bandagiert nach Mailand reisen. Die Sonderfahrt mit dem historischen Peter Witt-Tw 1503 (Rückbau ohne hintere Tür)verpaßte ich so leider (wir hatten den Wagen aber schon einmal gechartert und nur durch ein Mißverständnis mit den Amerikanern wurde es diesmal nicht der Tw 5137 - den nehmen wir nun in 2007). Wir ich später erfuhr wurden leider nur wenig Fotohalte eingelegt und die von mir sorgfältig ausgesuchten Betriebsstrecken und nicht benutze Schleifen etc. wurden oft ohne Halt durchfahren oder ganz eingespart. Nun, das müssen wir also alles nachholen mit Tw 5137.
Am Montag wollten wir auf dem Weg nach Innsbruck - unser Reiseziel 2006 war ja primär Österreich, Mailand etc. ist immer nur eine kleine Einleitung - solange die Peter Witt-Wagen dort noch fahren und es soll ja wie wir hörten ggf. nur eine einzige "historische" Linie bleiben - ähnlich wie die SL F in San Francisco) - ursprünglich bei der Rittnerbahn einen kurzen Zwischenstop einlegen, aufgrund meiner "Verletzung" haben die Amerikaner entschieden, daß es ausfällt (ich glaube es war eher die sehr frühe Abreisezeit - wir konnten nun sehr viel später losfahren, trotz Reservierung, die wir am Vortag noch schnell gekauft hatten, war der Zug nach Verona total überfüllt und natürlich waren die Sitzplätze nicht reserviert aber zum Glück konnten wir für fast alle Reiseteilnehmer die Einheimischen von den Plätzen vertreiben, die sind es scheinbar gewohnt, daß die Staatsbahn keine Reservierungen aushängt...). Nur zwei Teilnehmer sind dennoch nach Oberbozen gefahren, es soll sich gelohnt haben. Nun, vielleicht fahr ich mit den Amerikanern in 2008 dorthin (ich war ja selbst schon dort), für 2007 haben wir bereits andere Pläne (Mailand/Turin/München/entlang der Elbe/Skjoldenaesholm und Belgien). Abends in Innsbruck sind wir dann noch etwas Straßenbahn gefahren und haben uns ein einheimisches (italienisches...) Restaurant gesucht.
21.3. Dieser Tag war (so meine Freunde aus Amerika) das Highlight unser Reise. Morgens wurden wir am Hauptbahnhof von den Tiroler Museumsbahnen mit einer "Haller" Garnitur (Tw 4 mit zwei Beiwagen und einem Güterbeiwagen) abgeholt. Unser Gepäck verstauten wir im Gepäckwagen, denn am späten Nachmittag wollen wir gleich den Zug nach Wien nehmen, ohne das Gepäck im Hotel abholen zu müssen. Mit zahlreichen Fotostops ging es auf der Stubaitalbahn bis nach Fulpmes. Wir waren überrascht, daß oben noch so viel Schnee lag, aber es war an diesem Tag sehr warm und sonnig - unsere Jacken und Mäntel blieben schnell im Wagen liegen. Das Umsetzen mit "ablaufen lassen" der Beiwagen war sehr interessant. Nach der Rückkehr zum Stubaitalbahnhof ging es gleich weiter auf der SL6 bis Igls. Einige von uns nahmen für ein Teilstück der Strecke den Regelzug, den wir durch ein Rangiermanöver vorgelassen haben, um etwas mehr Fotos oder Videos machen zu können. Unsere Fahrt endete vorerst im Straßenbahndepot. Dort besichtigten wir zuerst die Museumsausstellung der TMB, dann deren Wagenhalle und schließlich das IVB Depot. Der historische Tw 60 (ex Genua) wurde extra für uns herausgefahren, er ist noch nicht wieder für den Fahrgastverkehr zugelassen. Manche aus der Gruppe interessierten sich besonders für die Obusse (die letzten "alten" standen zum Abtransport bereit im Hof). Wir bedanken uns sehr herzlich bei den TMB für eine tolle Sonderfahrt, auch das Zusatzprogramm und das Buffet waren exzellent. Nach einer Ehrenrunde durch die Stadt endete die Fahrt am Hbf. In Wien ging es ausnahmsweise für alle per Taxi ins Hotel (um mein Bein zu schonen). Zu einer Odyssee mit Umsteigen (erst U-Bahn oder Tram, dann Bus) hatten wir einfach keine Lust mehr.
Am Mittwoch fuhren wir per Bahn nach Graz. Eigentlich wollten wir hier nur den ganzen Tag "normal" mit der Straßenbahn fahren, da aber meine Bemühungen für eine Sonderfahrt in Bratislava (Preßburg - siehe weiter unten) ergebnislos geblieben waren, hatten wir hier zuvor noch auf die Schnelle eine kurze Sonderfahrt organisiert. Tw 117 holte uns am Bahnhof ab und es ging - wie immer mit zahlreichen Fotostops - inkl. der beiden nicht regulär benutzten Schleifen beim Jakominiplatz nach Mariatrost. Auch die Schleife am Hilmteich wurde von uns befahren (nicht komplett, aber jeweils bei der Hin- und Rückfahrt mit Einfahrt in die Schleifenzufahrten). Anschließend ging es dann zur Schleife am Zentralfriedhof, da die weitere Strecke dort aufgrund der Verlängerung gerade nicht befahrbar war. Unsere also recht kurze Sonderfahrt endete in der Remise Alte Steyrergasse wir ausgiebig besichtigten. Dann machten wir uns mit der bei der Ankunft bereits erworbenen Tageskarte auf den Weg zur Schloßbergbahn. Am Jakominiplatz verloren wir nach einer kurzen Stärkung einige der Teilnehmer, so daß ich auf diese schließlich an der Talstation warten mußte und mir die Fahrt hinauf schenkte (wie fast alles auf dieser Reise kannte ich sie bereits von früher). Die Rückfahrt auf der Südbahn haben wir wieder sehr genossen - sehr hübsche Landschaft. Das ich in Graz eigentlich den Tw 234 bestellt hatte (warum wir Tw 117 bekommen haben, habe ich nicht herausgefunden), habe ich den Amerikanern nicht gesagt, sie waren aber von dem älteren Wagen sehr begeistert.
Am 23.3. ging es morgens wieder zum Südbahnhof, diesmal war Budapest unser Ziel. Leider mußte einer der amerikanischen Freunde an der Grenze aussteigen, weil er seinen Reisepaß nicht mit hatte - man schickte ihn zurück. Er fuhr also zurück, holte seinen Paß und fuhr erneut Richtung Osten - hat uns aber in Budapest natürlich nicht gefunden... Am Bahnhof Keleti pu trafen wir nun wie verabredet einen Freund aus San Francisco und unseren einheimischen Kollegen Akos. Er hatte über die BKV einen Besuch der Hauptwerkstatt für uns arrangiert. Ich war etwas enttäuscht, das dort so wenig Wagen zu sehen waren. Dennoch war es ein interessanter Besuch, einige "Schätze" sahen wir dann doch. Bevor wir dann mit der U-Bahn zurück in die Stadt fuhren, war noch etwas Zeit für die Wagen aus Hannover, die vor der Tür verkehren. Dann fuhren wir per UV-Wagen nach Buda und landeten schließlich (mit erneuter U-Bahnfahrt, zuvor hatten noch einige der Teilnehmer die Seilbahn erkundet während die anderen an der Donau fleißig UV-Wagen fotografierten) auf der Zahnradbahn. Ein einziger Tag Budapest ist natürlich viel zu wenig, aber er sollte dem Kennenlernen der Stadt dienen - wir kommen gewiß wieder und verbringen dann mehr Zeit dort. Die alte U-Bahn, die Trolleybusse und die Vorortbahnen mußten wir notgedrungen ausfallen lassen. Vor unserer Rückfahrt nach Wien sind wir dann noch etwas SL2 und 24 gefahren, der Gelenkwagenprototyp, den ich auf der SL24 erhofft hatte, zeigte sich aber leider nicht.
Am Freitag mußte ich meine Freunde allein nach Preßburg fahren lassen, mein Knie schmerzte zu sehr (und im Laufe des Tages mußte ich sogar noch einmal kurz dort ins Krankenhaus, hier gab es endlich einen festen "anschnallbaren" Verband für das Bein). Wochenlang hatte ich per Brief und Email und Telefon versucht eine Sonderfahrt in Bratislava zu organisieren, niemand reagierte. Nun, meine Freunde kauften sich eine Tageskarte und erkundeten die Stadt per Straßenbahn und Trolleybus, während ich ausgiebig (aber wohl doch etwas zu intensiv) die Wiener Trams mit EU-Länderflaggen fotografierte. Die Tunnelstrecke in Bratislava war gesperrt und durch einen Verkehrsunfall im Stadtzentrum kam der Straßenbahnverkehr später teilweise zum Erliegen. Trotzdem gelang es der Reisegruppe eines der Depots zu besuchen (es war scheinbar niemand da um die Gruppe am Betreten zu hindern - m.E. war es das Depot im Nordosten, welches wohl nur noch zum Abstellen benutzt wird).
Am Samstag machten wir unsere Sonderfahrt in Wien. Ich hatte hierzu den Schulwagen-Tw GS 6858 ausgesucht mit k6-Bw 1530. Eine ungewöhnliche Kombination, aber ich wollte mal etwas anderes als die üblichen Standardkompositionen. Im strömenden Regen ging es los ab Remise Speising. Zuerst nach Rodaun, dann über Westbahnhof zur Schleife Antonigasse und weiter über die alte SL8 am Gürtel (mit Schleifenfahrt an der Remise Gürtel) und dem Ring schließlich zum Prater (Schleife SL N). Auch die SL21, die ja im kommenden Jahr hier stillgelegt werden soll, bis zur Endstelle Praterkai befuhren wir noch, um dann am Bahnhof Philadelphiabrücke die Sonderfahrt zu beenden. Ein Heurigenbesuch stand dann auf dem Programm. Natürlich hatten wir einige nicht regulär im Betrieb stehenden Schleifen entlang unserer Route befahren und wieder viele Fotohalte gemacht, das Wetter wurde ja im Laufe des Tages immer trockener.
Am Sonntag machten wir uns erneut auf den Weg zur Remise Speising. Heute stand eine Sonderfahrt mit dem Hofsalonwagen der Lokalbahn Wien-Baden auf dem Programm. Nach einer Besichtigung der Museumsremise (aufgrund des Umbaus der Remise Rudolfsheim sind ja derzeit alle "aktiven" Museumswagen beider Vereine hier zusammengezogen) ging es dann nach Baden. Fotohalte konnten wir nur wenige machen, der Wagen ist halt recht langsam und den Planverkehr durften wir natürlich nicht aufhalten. Trotzdem war es eine sehr schöne Fahrt, die mittags an der Philadelphiabrücke für uns endete. Dann fuhren wir per Bahn zur Höllentalbahn nach Payerbach. Dort erwartete uns bereits unser Sonderzug (Tw+Bw+Bw - letzterer ex Badnerbahn) um uns nach Hirschwang zu bringen. Der Museumsverein hat wahrlich ein hervorragendes Programm nebst Besichtigungen, Scheinanfahrten und Verpflegung für uns geboten. Vielen herzlichen Dank dafür, die Fahrsaison hatte ja noch gar nicht begonnen und wenige Wochen zuvor war die Remise noch so eingeschneit, daß die Sonderfahrt dann nicht möglich gewesen wäre. Dieser Programmpunkt auf unserer Reise war für mich der einzig neue, ich war noch nie hier und erfuhr erst dort, daß die Höllentalbahn ja gar nicht bis ins Höllental fährt... Hier möchte ich gern in einem künftigen Sommer noch einmal zu Besuch kommen. Den aus einem Bw zurückgebauten Triebwagen der Lokalbahn Payerbach - Hirschwang zu sehen war ein schönes Wiedersehen, vor einigen Jahren konnte ich ihn im Rohbau in Vorchdorf bei der Firma Stern & Hafferl sehen.
Am 27.3. ging es zurück nach Westen. In Linz bezogen wir unser neues Quartier. Die ursprünglich geplante nachmittagliche Fahrt nach Salzburg ließen wir ausfallen (um mein Bein zu schonen). Statt dessen fuhren wir Tram in Linz und natürlich auch auf den Pöstlingberg. Einige wenige der Freunde waren dennoch nach Salzburg gefahren, speziell auch für die Obusse. Vielleicht holen wir Salzburg mit einer Sonderfahrt in einem der kommenden Jahr nach.
Der Dienstag begann leider wieder sehr regnerisch und mit einer regulären Fahrt mit der Lilo bis Leonding. Hier wartete bereits der historische ET 23.001 (ehemals 25.105) auf uns, der uns nach Eferding brachte. Seit die LILO in den Linzer Hauptbahnhof fährt können die Sonderfahrten mit Altbauwagen erst in Leonding beginnen. In Eferding besichtigten wir die Werkstätte und konnten auch die hier abgestellten Kölner bzw. Köln-Bonner Fahrzeuge begutachten, die jetzt leider nach und nach verschrottet werden. Wir fuhren weiter nach Peuerbach und die Sonderfahrt endete in Neumarkt-Kallham. Bevor wir per ÖBB zurück nach Linz fuhren warteten wir noch auf den Regelzug, um auch einen der Altbauwagen der LILO (eigentlich hier ja NWP) im Einsatz zu sehen. Eine sehr schöne Sonderfahrt, allerdings auch mit wenigen Ausnahmen die feuchteste.
Leider mußte einer der Freunde aus Cincinnati am Vortag ins Krankenhaus in Linz (und blieb dort fast 14 Tage). Der Rest der Gruppe, einige wenige hatten sich schon verabschiedet um noch etwas Schmalspurdampf in Deutschland (Harz etc.) zu erleben. Dennoch war der letzte gemeinsame Tag für die Reisegruppe gewiß der zweite Höhepunkt (nach der Stubaitalbahn). Heute besuchten wir die restlichen Stern & Hafferl-Strecken. Aufgrund des Fahrplans allerdings eine recht mühsame Tour. Wir begannen mit der LVE in Lambach, besuchten die Werkstätte in Vorchdorf, nahmen die GV nach Gmunden, wanderten (ich wäre fast gestorben mit meinem verletzten Knie) entlang des Traunsees zur Straßenbahn und mit der ÖBB letztendlich auf der LH in Haag am Hausruck. Die fährt ja evtl. nur noch in diesem Jahr. Endlich konnte ich auch einmal mit dem ET 24.104 mitfahren. Das Personal war wie immer sehr freundlich und erlaubte sogar "Führerstandsmitfahrten". Mit der ÖBB machten wir uns dann noch auf den Weg zur etwas weiter entfernten VA. Hier hatte ich eine Sonderfahrt gebucht: ET 20.104 mit EB 20.222. Die amerikanischen Freunde waren total überrascht, daß es noch solche "Interurbans" in Europa gibt - in den Staaten sind die ja alle ab den 30er Jahren eingestellt worden. Und die Landschaft ist ja wirklich sehr schön im "Salzburger Land".
Am Donnerstag fuhr die Reisegruppe allein per Bahn nach Rom zurück, um am Freitag gen Heimat zu fliegen. Ich wollte eigentlich noch nach Rom mitreisen und mir dort nicht nur die Straßenbahn und Überlandstraßenbahn anzusehen, sondern auch einmal wieder nach Neapel zu fahren, aber mein Knie mußte nun wirklich dringlich operiert werden und so fuhr ich per Bahn von Linz direkt ohne Umsteigen nach Hause (nun, in Hannover mußte aufgrund eines Todesfalls in meinem ICE dann doch noch umgestiegen werden, gar nicht so einfach mit steifem Bein, Krückstock und Koffer...).
Nach vielen Reisen mit den Freunden aus Amerika war dies wirklich erstmals eine Tour mit sehr vielen Hindernissen (einer der Freunde war in Mailand in der U-Bahn noch bestohlen worden): Zugunglücke, Krankenhäuser, Grenzkontrollvorfälle, Hochwasser... zum Glück sind wir einigen davon gerade noch aus dem Weg gegangen. Trotzdem hat es uns allen wieder sehr viel Spaß gemacht und ich glaube es hat niemand bereut. In 2007 geht es wieder los, bis dahin kann ich gewiß auch wieder normal laufen (nun sind es immerhin schon 6 Wochen nach der OP hier in Hamburg). Ich hoffe, meine Ausführungen waren halbwegs interessant - vielleicht animiert es ja einige, auch einmal eine solche (ggf. ähnliche) Reise zu machen oder die Gastfreundlichkeit der beschriebenen Lokationen kennenzulernen. Für Fragen steht der BSwebmaster wie immer gern per Email zur Verfügung. Meine Freunde aus Amerika lernen auch gern weitere Straßenbahnfans aus Deutschland und aus aller Welt kennen, Gäste sind uns bei unseren Reisen immer herzlich willkommen (die Sonderfahrten und Depotbesuche selbst sind kostenfrei).
Am 14.3. flog ich abends von Hamburg nach Mailand (Malpensa). Ich habe mich am Bahnhof Cadorna verabredet, um mit einigen Freunden aus England und einem BS-Kollegen aus Berlin Essen zu gehen. Am nächsten Tag erfuhr ich aus der kostenlosen Metro-Zeitung, daß es auf der Strecke einen schweren Zusammenstoß (mit Toten und Verletzten) eines der Flughafenexpreßzüge mit einem Lokalzug gegeben hat, ich glaube es passierte kurz nach meiner Fahrt. Die Strecke sollte gem. Zeitung längere Zeit gesperrt bleiben. Den angekündigten Omnibus-SEV für den Rückflug mußte ich nicht nehmen (siehe später).
Ein sehr früher Aufbruch am folgenden Morgen ermöglichte uns eine Mitfahrt mit dem Interurban-Altbauzug, der noch immer wochentags gegen 7.25h von Affori nach Varedo fährt. Die erste U-Bahn fährt für unsere Verhältnisse sehr spät, da ist es mit der Straßenbahn bis Niguarda und dann per Bus schneller (aber ohne großen Zeitdruck) nach Affori zu kommen. Es bleibt immer genügend Zeit die Einfahrt entlang der Schnellstraße vor der Endstation auf Film zu bannen, da an der Endstelle dann umgesetzt werden muß und das Personal meist erst noch einen Kaffee in einer Bar trinken geht, bevor es zurückgeht. Einige meiner Freunde waren zum ersten Mal in Mailand und von der Umsetzaktion und den alten Fahrzeugen natürlich entsprechend begeistert. Sie fuhren mit dem Triebwagen mit, während ich diesmal endlich (und erstmals) einen Beiwagen bestieg. Kurz vor dem Depot Varedo wunderte ich mich dann über den langen Aufenthalt (ich dachte wir würden auf den Gegenzug warten, sah aber kein Ausweichgleis). Auf der parallel führenden Straße hatte sich ein Verkehrsunfall ereignet (drei Autos, 2 davon Totalschaden). Nach 15 Minuten ging es weiter und meine Freunde konnten mir dann berichten, daß unser Zug ein in das Lichtraumprofil etwas hineinragenden PKW erfaßt hat (einer der Freunde ist Straßenbahnfahrer in Croydon und war sich ziemlich sicher, daß es Krachen würde - er hatte durch die geöffnete Fahrertür nach vorn Videoaufnahmen gemacht). Die Wucht des Aufpralls schleuderte den Wagen rückwärts in die Fahrbahn und stieß dort mit einem anderen KFZ zusammen und ein weiterer bislang unbeteiligter Wagen in die Gegenrichtung krachte in diesen. Der Unfallverursachende Wagen sah gar nicht so schlimm aus aber die beiden anderen... Nun, da der Verursacher schnell ausgemacht war (wir hatten ja Vorfahrt) notierten sich das ATM-Personal nur einige Details und den Namen der Straßenkreuzung und fuhr dann weiter ins Depot. In Croydon hätte man die Unfallstelle den ganzen Tag "gesichert" - dort führt jeder Unfall mit Bahnbeteiligung zu einem "Staatsakt" mit "hunderten" von Behörden. Was für ein Glück, daß wir in Italien waren. Am Depot sind wir also in den Regelzug der zur Endstelle weiterfährt umgestiegen und haben am Krankenhaus von Mombello noch einige Fotos gemacht. Den Depotbesuch in Varedo haben wir uns verkniffen, da wir keine Genehmigung der ATM hatten und beim letzten Besuch ohne Genehmigung es ziemlich gedauert hat, bis wir den Depotchef überreden konnten. Ab Affori dann per Bus zurück zur Endstelle der Desio-Überlandtram in Niguarda. Auch für Desio hatten wir keine Genehmigung beantragt (scheinbar ist die auch schwer zu bekommen) und unser Versuch war Erfolglos (letztes Jahr hatten wir dort ebenfalls Glück gehabt). Nun, wir kommen bestimmt wieder und ich kenne beide Depots schon in- und auswendig. Ich wünschte wir hätten mehr Zeit gehabt für Fotos im Straßenverkehr in Desio (dieser soll ja in einigen Jahren durch eine Umgehungsstrecke abgelöst werden), aber für 2007 plane ich eine Sonderfahrt mit einem Altbauwagen und dann klappt es bestimmt auch mit Fotos.
Am Donnerstag wollten wir ursprünglich nach Triest fahren, wußten aber, daß die Tram Opicina gerade modernisiert wird und nicht fuhr. Die Bahnfahrt von Mailand über Venedig hätte uns auch nur wenig Zeit vor Ort gelassen - vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr. Da wir im BS schon lange keinen Netzplan von Turin veröffentlicht haben und mir bei vergangenen Besuchen zahlreiche Änderungen aufgefallen sind (das ist reichlich untertrieben), nutzen wir die Zeit für das Erkunden der Innenstadtgleise und -Weichen. Wie immer gab es wieder überraschenden SEV. Am nördlichen Ende der SL4 sahen wir, daß plötzlich einer der dort stehenden Wagen (wir dachten es war eine Probefahrt oder Fahrschule) sich Richtung Unterführung zur neuesten Endstelle aufmachte (Anmerkung: wurde Ende April eröffnet). Für Fotos war er leider zu schnell und auf seine Rückkehr wollten wir nicht warten, durch das Ablaufen einiger nicht befahrenen Strecken hatten wir ziemlich viel Zeit verloren. Abends dann noch ein schönes Essen in unserem Stammlokal (in diese Kette gehen wir in Mailand auch immer: Breck).
Am Freitag dann war es Zeit für unseren jährlichen Besuch in ATM-Depots (wir haben ja regelrecht Freunde dort in der Verwaltung, da wir schon seit Jahren jedes Jahr hinkommen). Diesmal hatte ich mir das U-Bahndepot Gorgonzola ausgesucht. Wir wurden am Bahnhof dort in einem ATM-Minibus abgeholt, da das Depot doch eine ganze Ecke entfernt liegt. Früher fuhren auf dieser Strecke die Überlandstraßenbahnen, die heute noch nach Desio und Limbiate(Mombello) verkehren und waren auch in diesem Depot beheimatet. Für den U-Bahnbau wurde das Deposito natürlich etwas umgebaut, aber es gibt noch einige Gebäude aus der Ursprungszeit. Vor einem ausgiebigen Mittagessen in der Werkskantine (natürlich mit Gorgonzola und Rotwein) sahen wir uns alles an, die für mich interessanten Arbeitswagen (Loks und unzählige abgestellte ATws/ABws) stehen alle im Freien und das Gelände ist recht groß. Zum Abschluß lud man uns ein mit einem U-Bahnzug selbst bis kurz vor den Bahnhof Gorgonzola zu fahren (das Verbindungsgleis dient auch als Testgleis) - nicht sehr lang aber doch ganz spannend für uns, so pendelten wir vor und zurück bis alle die es wollten selbst gefahren sind. Mit dem ATM-Minibus fuhren wir dann zum Straßenbahn Depot Messina. Ich war schon oft dort, aber da einige meiner Freunde noch nicht in Mailand waren, wollte ich zumindest ein Tramdepot für sie anbieten. Nach einer ausgiebigem Rundgang konnte ich den Depotchef überreden, eine kleine Fahrt (im Depot) mit einem der Zweiachs-ATws für uns zu machen. Ich wollte schon immer mal einen für eine Sonderfahrt mieten, aber die ATM hat es bisher immer abgelehnt (hat wohl versicherungstechnische Gründe), nun bei einer künftigen Sonderfahrt wollen wir zumindest einen dieser Wagen unserem Sonderwagen ohne Passagiere folgen lassen. Die Wagen sind innen aber auch wirklich sehr staubig... Anschließend befuhren wir noch allein einige interessante Strecken. Am Abend dann kamen meine Freunde aus Cincinnati aus Rom an. Nun wuchs unsere Reisegruppe von 6 auf 25 an. Bisher sind die Amerikaner immer mitgekommen zu den ATM-Depotbesuchen, aber da diese nur an Wochentagen stattfinden können, paßte der Flugplan nicht. Unsere Berichte zu dem Tag machten die Amerikaner dann doch sehr neidisch, so daß diese nächstes Jahr extra dafür einen Tag früher rüberkommen.
Am Samstag fuhren wir gemeinsam nach Turin um dort unsere erste Sonderfahrt zu machen. Vor kurzem wurde dort eine Straßenbahnmuseums-Organisation gegründet und der Vorsitzende dieser Vereinigung, der auch einer der Tramchefs der GTT ist, begleitete uns auf der Rundfahrt mit Tw 3501. Erstmals bei einer Sonderfahrt hatten wir eine Stadtführerin dabei, die in Englisch die interessante Stadt vorstellte. Aber wir befuhren ja auch viele Vorortstrecken und da gibt es einfach nicht viel zu sehen... Auch ein Buffet und Wasser war erstmals an Bord (bisher haben wir uns immer selbst verpflegt). Nachdem wir nicht alles befahren konnten, was wir geplant hatten (der SEV vom Donnerstag fuhr noch) ging es auf Alternativstrecken. Ein ausgiebiger Besuch im Depot Venaria und später in der Hauptwerkstatt Tortona rundeten den Besuch ab. Zum Schluß wurden wir noch im Depot der Sassi-Superga-Zahnradbahn herumgeführt. Wir haben neue Freunde gefunden in Turin und kommen nächstes Jahr wieder, dann mieten wir den Peter Witt-Tw (auch der Zweiachser soll dann bereits wieder zur Verfügung stehen, das Verbindungsgleis vom Depot Sassi zum Straßenbahnnetz soll in Kürze wieder eingebaut werden). Nach einem Essen wollten wir eigentlich gemütlich zurück nach Mailand, aber es kam anders. Ganz plötzlich und scheinbar ohne (für mich erkennbaren Grund) sprang meine linke Kniescheibe heraus. Per Ambulanzwagen ging es in ein Krankenhaus. Die vielen großen Steinplatten, die man in Italien oft als Straßenpflaster nimmt, und auch die Straßenbahnschienen machten die Fahr zu einer Höllenqual. Nachdem das "Bein" eingerenkt wurde durfte ich nach einigen Stunden "nach Hause". Die Reisegruppe war inzwischen allein nach Mailand zurück und ich mußte mir ein Hotel in Turin suchen, da ich am Sonntag zu einem "Scan" wiederkommen sollte.
Nun nach einigen weiteren Stunden im Krankenhaus konnte ich stark bandagiert nach Mailand reisen. Die Sonderfahrt mit dem historischen Peter Witt-Tw 1503 (Rückbau ohne hintere Tür)verpaßte ich so leider (wir hatten den Wagen aber schon einmal gechartert und nur durch ein Mißverständnis mit den Amerikanern wurde es diesmal nicht der Tw 5137 - den nehmen wir nun in 2007). Wir ich später erfuhr wurden leider nur wenig Fotohalte eingelegt und die von mir sorgfältig ausgesuchten Betriebsstrecken und nicht benutze Schleifen etc. wurden oft ohne Halt durchfahren oder ganz eingespart. Nun, das müssen wir also alles nachholen mit Tw 5137.
Am Montag wollten wir auf dem Weg nach Innsbruck - unser Reiseziel 2006 war ja primär Österreich, Mailand etc. ist immer nur eine kleine Einleitung - solange die Peter Witt-Wagen dort noch fahren und es soll ja wie wir hörten ggf. nur eine einzige "historische" Linie bleiben - ähnlich wie die SL F in San Francisco) - ursprünglich bei der Rittnerbahn einen kurzen Zwischenstop einlegen, aufgrund meiner "Verletzung" haben die Amerikaner entschieden, daß es ausfällt (ich glaube es war eher die sehr frühe Abreisezeit - wir konnten nun sehr viel später losfahren, trotz Reservierung, die wir am Vortag noch schnell gekauft hatten, war der Zug nach Verona total überfüllt und natürlich waren die Sitzplätze nicht reserviert aber zum Glück konnten wir für fast alle Reiseteilnehmer die Einheimischen von den Plätzen vertreiben, die sind es scheinbar gewohnt, daß die Staatsbahn keine Reservierungen aushängt...). Nur zwei Teilnehmer sind dennoch nach Oberbozen gefahren, es soll sich gelohnt haben. Nun, vielleicht fahr ich mit den Amerikanern in 2008 dorthin (ich war ja selbst schon dort), für 2007 haben wir bereits andere Pläne (Mailand/Turin/München/entlang der Elbe/Skjoldenaesholm und Belgien). Abends in Innsbruck sind wir dann noch etwas Straßenbahn gefahren und haben uns ein einheimisches (italienisches...) Restaurant gesucht.
21.3. Dieser Tag war (so meine Freunde aus Amerika) das Highlight unser Reise. Morgens wurden wir am Hauptbahnhof von den Tiroler Museumsbahnen mit einer "Haller" Garnitur (Tw 4 mit zwei Beiwagen und einem Güterbeiwagen) abgeholt. Unser Gepäck verstauten wir im Gepäckwagen, denn am späten Nachmittag wollen wir gleich den Zug nach Wien nehmen, ohne das Gepäck im Hotel abholen zu müssen. Mit zahlreichen Fotostops ging es auf der Stubaitalbahn bis nach Fulpmes. Wir waren überrascht, daß oben noch so viel Schnee lag, aber es war an diesem Tag sehr warm und sonnig - unsere Jacken und Mäntel blieben schnell im Wagen liegen. Das Umsetzen mit "ablaufen lassen" der Beiwagen war sehr interessant. Nach der Rückkehr zum Stubaitalbahnhof ging es gleich weiter auf der SL6 bis Igls. Einige von uns nahmen für ein Teilstück der Strecke den Regelzug, den wir durch ein Rangiermanöver vorgelassen haben, um etwas mehr Fotos oder Videos machen zu können. Unsere Fahrt endete vorerst im Straßenbahndepot. Dort besichtigten wir zuerst die Museumsausstellung der TMB, dann deren Wagenhalle und schließlich das IVB Depot. Der historische Tw 60 (ex Genua) wurde extra für uns herausgefahren, er ist noch nicht wieder für den Fahrgastverkehr zugelassen. Manche aus der Gruppe interessierten sich besonders für die Obusse (die letzten "alten" standen zum Abtransport bereit im Hof). Wir bedanken uns sehr herzlich bei den TMB für eine tolle Sonderfahrt, auch das Zusatzprogramm und das Buffet waren exzellent. Nach einer Ehrenrunde durch die Stadt endete die Fahrt am Hbf. In Wien ging es ausnahmsweise für alle per Taxi ins Hotel (um mein Bein zu schonen). Zu einer Odyssee mit Umsteigen (erst U-Bahn oder Tram, dann Bus) hatten wir einfach keine Lust mehr.
Am Mittwoch fuhren wir per Bahn nach Graz. Eigentlich wollten wir hier nur den ganzen Tag "normal" mit der Straßenbahn fahren, da aber meine Bemühungen für eine Sonderfahrt in Bratislava (Preßburg - siehe weiter unten) ergebnislos geblieben waren, hatten wir hier zuvor noch auf die Schnelle eine kurze Sonderfahrt organisiert. Tw 117 holte uns am Bahnhof ab und es ging - wie immer mit zahlreichen Fotostops - inkl. der beiden nicht regulär benutzten Schleifen beim Jakominiplatz nach Mariatrost. Auch die Schleife am Hilmteich wurde von uns befahren (nicht komplett, aber jeweils bei der Hin- und Rückfahrt mit Einfahrt in die Schleifenzufahrten). Anschließend ging es dann zur Schleife am Zentralfriedhof, da die weitere Strecke dort aufgrund der Verlängerung gerade nicht befahrbar war. Unsere also recht kurze Sonderfahrt endete in der Remise Alte Steyrergasse wir ausgiebig besichtigten. Dann machten wir uns mit der bei der Ankunft bereits erworbenen Tageskarte auf den Weg zur Schloßbergbahn. Am Jakominiplatz verloren wir nach einer kurzen Stärkung einige der Teilnehmer, so daß ich auf diese schließlich an der Talstation warten mußte und mir die Fahrt hinauf schenkte (wie fast alles auf dieser Reise kannte ich sie bereits von früher). Die Rückfahrt auf der Südbahn haben wir wieder sehr genossen - sehr hübsche Landschaft. Das ich in Graz eigentlich den Tw 234 bestellt hatte (warum wir Tw 117 bekommen haben, habe ich nicht herausgefunden), habe ich den Amerikanern nicht gesagt, sie waren aber von dem älteren Wagen sehr begeistert.
Am 23.3. ging es morgens wieder zum Südbahnhof, diesmal war Budapest unser Ziel. Leider mußte einer der amerikanischen Freunde an der Grenze aussteigen, weil er seinen Reisepaß nicht mit hatte - man schickte ihn zurück. Er fuhr also zurück, holte seinen Paß und fuhr erneut Richtung Osten - hat uns aber in Budapest natürlich nicht gefunden... Am Bahnhof Keleti pu trafen wir nun wie verabredet einen Freund aus San Francisco und unseren einheimischen Kollegen Akos. Er hatte über die BKV einen Besuch der Hauptwerkstatt für uns arrangiert. Ich war etwas enttäuscht, das dort so wenig Wagen zu sehen waren. Dennoch war es ein interessanter Besuch, einige "Schätze" sahen wir dann doch. Bevor wir dann mit der U-Bahn zurück in die Stadt fuhren, war noch etwas Zeit für die Wagen aus Hannover, die vor der Tür verkehren. Dann fuhren wir per UV-Wagen nach Buda und landeten schließlich (mit erneuter U-Bahnfahrt, zuvor hatten noch einige der Teilnehmer die Seilbahn erkundet während die anderen an der Donau fleißig UV-Wagen fotografierten) auf der Zahnradbahn. Ein einziger Tag Budapest ist natürlich viel zu wenig, aber er sollte dem Kennenlernen der Stadt dienen - wir kommen gewiß wieder und verbringen dann mehr Zeit dort. Die alte U-Bahn, die Trolleybusse und die Vorortbahnen mußten wir notgedrungen ausfallen lassen. Vor unserer Rückfahrt nach Wien sind wir dann noch etwas SL2 und 24 gefahren, der Gelenkwagenprototyp, den ich auf der SL24 erhofft hatte, zeigte sich aber leider nicht.
Am Freitag mußte ich meine Freunde allein nach Preßburg fahren lassen, mein Knie schmerzte zu sehr (und im Laufe des Tages mußte ich sogar noch einmal kurz dort ins Krankenhaus, hier gab es endlich einen festen "anschnallbaren" Verband für das Bein). Wochenlang hatte ich per Brief und Email und Telefon versucht eine Sonderfahrt in Bratislava zu organisieren, niemand reagierte. Nun, meine Freunde kauften sich eine Tageskarte und erkundeten die Stadt per Straßenbahn und Trolleybus, während ich ausgiebig (aber wohl doch etwas zu intensiv) die Wiener Trams mit EU-Länderflaggen fotografierte. Die Tunnelstrecke in Bratislava war gesperrt und durch einen Verkehrsunfall im Stadtzentrum kam der Straßenbahnverkehr später teilweise zum Erliegen. Trotzdem gelang es der Reisegruppe eines der Depots zu besuchen (es war scheinbar niemand da um die Gruppe am Betreten zu hindern - m.E. war es das Depot im Nordosten, welches wohl nur noch zum Abstellen benutzt wird).
Am Samstag machten wir unsere Sonderfahrt in Wien. Ich hatte hierzu den Schulwagen-Tw GS 6858 ausgesucht mit k6-Bw 1530. Eine ungewöhnliche Kombination, aber ich wollte mal etwas anderes als die üblichen Standardkompositionen. Im strömenden Regen ging es los ab Remise Speising. Zuerst nach Rodaun, dann über Westbahnhof zur Schleife Antonigasse und weiter über die alte SL8 am Gürtel (mit Schleifenfahrt an der Remise Gürtel) und dem Ring schließlich zum Prater (Schleife SL N). Auch die SL21, die ja im kommenden Jahr hier stillgelegt werden soll, bis zur Endstelle Praterkai befuhren wir noch, um dann am Bahnhof Philadelphiabrücke die Sonderfahrt zu beenden. Ein Heurigenbesuch stand dann auf dem Programm. Natürlich hatten wir einige nicht regulär im Betrieb stehenden Schleifen entlang unserer Route befahren und wieder viele Fotohalte gemacht, das Wetter wurde ja im Laufe des Tages immer trockener.
Am Sonntag machten wir uns erneut auf den Weg zur Remise Speising. Heute stand eine Sonderfahrt mit dem Hofsalonwagen der Lokalbahn Wien-Baden auf dem Programm. Nach einer Besichtigung der Museumsremise (aufgrund des Umbaus der Remise Rudolfsheim sind ja derzeit alle "aktiven" Museumswagen beider Vereine hier zusammengezogen) ging es dann nach Baden. Fotohalte konnten wir nur wenige machen, der Wagen ist halt recht langsam und den Planverkehr durften wir natürlich nicht aufhalten. Trotzdem war es eine sehr schöne Fahrt, die mittags an der Philadelphiabrücke für uns endete. Dann fuhren wir per Bahn zur Höllentalbahn nach Payerbach. Dort erwartete uns bereits unser Sonderzug (Tw+Bw+Bw - letzterer ex Badnerbahn) um uns nach Hirschwang zu bringen. Der Museumsverein hat wahrlich ein hervorragendes Programm nebst Besichtigungen, Scheinanfahrten und Verpflegung für uns geboten. Vielen herzlichen Dank dafür, die Fahrsaison hatte ja noch gar nicht begonnen und wenige Wochen zuvor war die Remise noch so eingeschneit, daß die Sonderfahrt dann nicht möglich gewesen wäre. Dieser Programmpunkt auf unserer Reise war für mich der einzig neue, ich war noch nie hier und erfuhr erst dort, daß die Höllentalbahn ja gar nicht bis ins Höllental fährt... Hier möchte ich gern in einem künftigen Sommer noch einmal zu Besuch kommen. Den aus einem Bw zurückgebauten Triebwagen der Lokalbahn Payerbach - Hirschwang zu sehen war ein schönes Wiedersehen, vor einigen Jahren konnte ich ihn im Rohbau in Vorchdorf bei der Firma Stern & Hafferl sehen.
Am 27.3. ging es zurück nach Westen. In Linz bezogen wir unser neues Quartier. Die ursprünglich geplante nachmittagliche Fahrt nach Salzburg ließen wir ausfallen (um mein Bein zu schonen). Statt dessen fuhren wir Tram in Linz und natürlich auch auf den Pöstlingberg. Einige wenige der Freunde waren dennoch nach Salzburg gefahren, speziell auch für die Obusse. Vielleicht holen wir Salzburg mit einer Sonderfahrt in einem der kommenden Jahr nach.
Der Dienstag begann leider wieder sehr regnerisch und mit einer regulären Fahrt mit der Lilo bis Leonding. Hier wartete bereits der historische ET 23.001 (ehemals 25.105) auf uns, der uns nach Eferding brachte. Seit die LILO in den Linzer Hauptbahnhof fährt können die Sonderfahrten mit Altbauwagen erst in Leonding beginnen. In Eferding besichtigten wir die Werkstätte und konnten auch die hier abgestellten Kölner bzw. Köln-Bonner Fahrzeuge begutachten, die jetzt leider nach und nach verschrottet werden. Wir fuhren weiter nach Peuerbach und die Sonderfahrt endete in Neumarkt-Kallham. Bevor wir per ÖBB zurück nach Linz fuhren warteten wir noch auf den Regelzug, um auch einen der Altbauwagen der LILO (eigentlich hier ja NWP) im Einsatz zu sehen. Eine sehr schöne Sonderfahrt, allerdings auch mit wenigen Ausnahmen die feuchteste.
Leider mußte einer der Freunde aus Cincinnati am Vortag ins Krankenhaus in Linz (und blieb dort fast 14 Tage). Der Rest der Gruppe, einige wenige hatten sich schon verabschiedet um noch etwas Schmalspurdampf in Deutschland (Harz etc.) zu erleben. Dennoch war der letzte gemeinsame Tag für die Reisegruppe gewiß der zweite Höhepunkt (nach der Stubaitalbahn). Heute besuchten wir die restlichen Stern & Hafferl-Strecken. Aufgrund des Fahrplans allerdings eine recht mühsame Tour. Wir begannen mit der LVE in Lambach, besuchten die Werkstätte in Vorchdorf, nahmen die GV nach Gmunden, wanderten (ich wäre fast gestorben mit meinem verletzten Knie) entlang des Traunsees zur Straßenbahn und mit der ÖBB letztendlich auf der LH in Haag am Hausruck. Die fährt ja evtl. nur noch in diesem Jahr. Endlich konnte ich auch einmal mit dem ET 24.104 mitfahren. Das Personal war wie immer sehr freundlich und erlaubte sogar "Führerstandsmitfahrten". Mit der ÖBB machten wir uns dann noch auf den Weg zur etwas weiter entfernten VA. Hier hatte ich eine Sonderfahrt gebucht: ET 20.104 mit EB 20.222. Die amerikanischen Freunde waren total überrascht, daß es noch solche "Interurbans" in Europa gibt - in den Staaten sind die ja alle ab den 30er Jahren eingestellt worden. Und die Landschaft ist ja wirklich sehr schön im "Salzburger Land".
Am Donnerstag fuhr die Reisegruppe allein per Bahn nach Rom zurück, um am Freitag gen Heimat zu fliegen. Ich wollte eigentlich noch nach Rom mitreisen und mir dort nicht nur die Straßenbahn und Überlandstraßenbahn anzusehen, sondern auch einmal wieder nach Neapel zu fahren, aber mein Knie mußte nun wirklich dringlich operiert werden und so fuhr ich per Bahn von Linz direkt ohne Umsteigen nach Hause (nun, in Hannover mußte aufgrund eines Todesfalls in meinem ICE dann doch noch umgestiegen werden, gar nicht so einfach mit steifem Bein, Krückstock und Koffer...).
Nach vielen Reisen mit den Freunden aus Amerika war dies wirklich erstmals eine Tour mit sehr vielen Hindernissen (einer der Freunde war in Mailand in der U-Bahn noch bestohlen worden): Zugunglücke, Krankenhäuser, Grenzkontrollvorfälle, Hochwasser... zum Glück sind wir einigen davon gerade noch aus dem Weg gegangen. Trotzdem hat es uns allen wieder sehr viel Spaß gemacht und ich glaube es hat niemand bereut. In 2007 geht es wieder los, bis dahin kann ich gewiß auch wieder normal laufen (nun sind es immerhin schon 6 Wochen nach der OP hier in Hamburg). Ich hoffe, meine Ausführungen waren halbwegs interessant - vielleicht animiert es ja einige, auch einmal eine solche (ggf. ähnliche) Reise zu machen oder die Gastfreundlichkeit der beschriebenen Lokationen kennenzulernen. Für Fragen steht der BSwebmaster wie immer gern per Email zur Verfügung. Meine Freunde aus Amerika lernen auch gern weitere Straßenbahnfans aus Deutschland und aus aller Welt kennen, Gäste sind uns bei unseren Reisen immer herzlich willkommen (die Sonderfahrten und Depotbesuche selbst sind kostenfrei).
BSwebmaster - Do, 25. Mai, 11:19
- 0 Trackbacks

Trackback URL:
http://blickpunktstrab.twoday.net/stories/2067160/modTrackback